FORUM 116 FEMINA POLITICA  1 | 2020 Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen (BAG) (Hg.), 2018: Antifeminismus als Demokratiegefährdung?! Gleichstellung in Zeiten von Rechtspopulis- mus. Berlin. Internet: www.frauenbeauftragte.org/sites/default/files/uploads/downloads/antife- minismus_als_demokratiegefaehrdung.pdf (09.01.20). BT-Drucksache 19/8220, 2019: Antwort der Bundesregierung vom 27.03.2019 auf die Kleine An- frage der Abgeordneten Dr. Marc Jongen, Dr. Götz Frömming, Nicole Höchst, weiterer Abge- ordneter und der Fraktion der AfD: „Genderkritik und die Gefahr der Spaltung der Gesellschaft durch Misandrie“, 13.03.2019. Internet: http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/087/1908788.pdf (08.01.2020). Diskursatlas Antifeminismus, o.J. Internet: www.diskursatlas.de/index.php?title=Hauptseite (10.02.20). Henninger, Annette, 2019: Antifeminismus in Deutschland: Entwicklungen in verschiedenen Pra- xisfeldern. In: Femina Politica 28 (1), 139-141. Henninger, Annette/Birsl, Ursula (Hg.), 2020 (i.E.): Antifeminismen. ‚Krisen‘-Diskurse mit gesell- schaftsspaltendem Potential? Bielefeld: transcript. Kelle, Birgit, 2017: Hört auf, uns Mütter „befreien“ zu wollen! In: welt.de, 13.07.2017. Internet: www.welt.de/debatte/kommentare/article166632672/Hoert-auf-uns-Muetter-befreien-zu-wol- len.html (08.01.20).  Klemm, Sarah/Wittenzellner, Ulla/Knepper, Lena, o.J.: Dieses Genderdings! Wörterbuch. Ber- lin: Dissens-Institut für Bildung und Forschung e.V.. Internet: https://somi.dissens.de/fileadmin/ social_media_interventions/SoMI_Wörterbuch.pdf (10.02.20). Marx, Daniela/Kotlenga, Sandra, 2017: Übliche Widerstände oder neue Infragestellungen? Gleichstellungsfeindlichkeit und Angriffe auf Gleichstellungsarbeit an Hochschulen in Nieder- sachsen. Bericht zum Projekt „Antifeminismus an Hochschulen in Niedersachsen“ (unter Mit- arbeit von Birte Driesner und Doris Hayn). Georg-August-Universität Göttingen: Landeskonfe- renz Niedersächsischer Hochschulbeauftragter. Internet: https://www.nds-lagen.de/download/ Berichte/Abschlussbericht_LNHF-Projekt_Antifem_final_Sept_2018.pdf (09.01.20). Schutzbach, Franziska, 2017: „Gender Raus!“ Zwölf Richtigstellungen zu Antifeminismus und Gender-Kritik. Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung und der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Berlin. Internet: https://www.gwi-boell.de/de/2017/07/04/gender-raus-12-richtigstellungen-zu-antife- minismus-und-gender-kritik (09.01.20). Frauen auf der Überholspur? Kolonialität der Staatsbürgerschaft und verkörperte soziale Mobilität1 JULIA ROTH. MANUELA BOATCÀ́ Die gegenwärtige Kluft zwischen Arm und Reich auf globaler Ebene macht die Welt ungleicher als je zuvor (Reid-Henry 2015). Gleichzeitig ist der Reichtum stark ge- schlechtsspezifisch verteilt. Unter zehn Milliardär*innen weltweit ist nur eine Frau, und nur 1,4% darunter sind Milliardärinnen der ersten Generation, also keine Er- binnen (Wang 2018; Pendleton/Cannon 2018). Im Gegensatz dazu besitzen Frauen weniger als zwei Prozent Land weltweit, stellen die Mehrheit der ärmsten Menschen https://doi.org/10.3224/feminapolitica.v29i1.10 03_FP_01_20_Forum.indd 11603_FP_01_20_Forum.indd 116 21.04.2020 11:12:4021.04.2020 11:12:40 http://www.frauenbeauftragte.org/sites/default/files/uploads/downloads/antifeminismus_als_demokratiegefaehrdung.pdf http://www.frauenbeauftragte.org/sites/default/files/uploads/downloads/antifeminismus_als_demokratiegefaehrdung.pdf https://somi.dissens.de/fileadmin/social_media_interventions/SoMI_Wörterbuch.pdf https://somi.dissens.de/fileadmin/social_media_interventions/SoMI_Wörterbuch.pdf FORUM FEMINA POLITICA  1 | 2020 117 der Welt dar und leisten jährlich zehn Billionen Dollar an unbezahlter Pflege- und Sorgearbeit (Oxfam 2018). An beiden Enden der Weltvermögens- und Einkommens- verteilung erklären die geschlechtsspezifischen Unterschiede einen großen Teil der derzeit zunehmenden globalen wirtschaftlichen Ungleichheiten. Da die Unterschiede bei den Durchschnittseinkommen zwischen den Ländern zu- sammen mit der globalen Kluft zwischen Arm und Reich immer größer werden, ist Migration zu einer der wirksamsten Strategien der Aufwärtsmobilität geworden (Korzeniewicz/Moran 2009; Milanovic 2016; Shachar 2009; Reid-Smith 2015). Der Zugang zum Territorium und zu den Ressourcen eines Landes, das relativ besserge- stellt ist als das Geburts- oder Wohnsitzland, bringt den Menschen in den meisten Teilen der Welt unmittelbare wirtschaftliche Vorteile. Branko Milanovic (2016) hat den Begriff „Staatsbürgerschaftsprämie“ geprägt, um zu erklären, dass die Geburt in einem reichen Land eine Besserstellung bezüglich der Einkommensverteilung gegenüber jemandem bedeutet, der in einem sehr armen Land geboren wurde. Je nachdem, wo sie sich befinden und wohin sie einwandern können, können die Bürger*innen armer Länder also ihr Realeinkommen verdoppeln, verdreifachen oder mehr als verzehnfachen, wenn sie in ein reiches Land ziehen (ebd.). Doch der Zugang zur internationalen Migration in ein reicheres Land ist ungleich verteilt. Auch die individuellen Möglichkeiten, Ungleichheit und Armut zu bekämp- fen, sind geschlechtsspezifisch verschieden. Das Wissen um mögliche Reiserouten und bessere wirtschaftliche Aussichten, die Transportkosten (ob legal oder unautori- siert) und die Reisekosten erfordern erhebliche physische Mobilität sowie materielle und immaterielle Ressourcen. Solche Ressourcen stehen vor allem Mitgliedern der Mittel- und Oberschicht, Gebildeten und denjenigen zu, die nicht rassistisch mar- kiert werden sowie Männern, die alleine reisen können. Als nicht-westlich rassi- sierte Frauen (insbesondere in Begleitung von Kindern) und andere marginalisierte Personen mit non-konformer Gender-Performance sind gegenwärtig aufgrund fort- bestehender kolonialer und Genderhierarchien immer noch die am stärksten gefähr- deten Migrierenden. Wir sprechen deshalb von der anhaltenden Kolonialität der Staatsbürgerschaft. Im Folgenden argumentieren wir daher, dass, im Gegensatz zu überwiegend männ- lichen wohlhabenden Investoren, die ihre globale Mobilität erkaufen können, Frauen und feminisierte Andere, insbesondere LGBTIQ und rassisierte Personen, ihre vergeschlechtlichten Körper in langwierigen Arrangements zum Tausch anbie- ten müssen, um so schließlich Aufwärtsmobilität durch eine Aufenthaltserlaubnis oder die Staatsbürgerschaft eines wohlhabenden Landes zu erlangen. Der durch das ökonomische Kapital vermittelte Zugang von Frauen und feminisierten Anderen zu sozialer Mobilität ist also sowohl mit prekäreren Mitteln (dem eigenen Körper), als auch mit prekäreren Ergebnissen als bei Männern und unmarkierten Personen ver- bunden. Wir argumentieren, dass die wirtschaftliche Macht von Frauen teilweise als Widerstand funktioniert, sie also der Kolonialität der Macht entgegenwirkt, die sie systematisch in prekärere Positionen in der globalen Mobilitätsstruktur verbannt hat. 03_FP_01_20_Forum.indd 11703_FP_01_20_Forum.indd 117 21.04.2020 11:12:4021.04.2020 11:12:40 FORUM 118 FEMINA POLITICA  1 | 2020 Zwar stimmt es, dass die Migration „als globales Umverteilungsinstrument (…) die Menschen am unteren Ende der Verteilungsmatrix nicht erreicht“ (Shachar 2009, 84); aber für diejenigen, die sich auf der Einkommensleiter weiter oben befinden, stehen Überholspuren offen. Dies wird besonders deutlich anhand der in den letz- ten Jahren stark angestiegenen Kommodifizierung von Staatsbürgerschaftsrechten. Sogenannte „Investor Citizenship“- oder „Investor Residence“-Programme ermög- lichen es einer wohlhabenden Minderheit, eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine zweite Staatsbürgerschaft in immer mehr Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und des Commonwealth zu erwerben, und zwar im Austausch gegen eine beträcht- liche Investition in Immobilien oder Staatsanleihen. Solche Programme wurden im Zuge der globalen Rezession von 2008 entweder neugestaltet oder in unabhängigen karibischen Ländern sowie in den süd- und osteuropäischen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union umgesetzt. Sie bieten vor allem nicht-westlichen Investoren das Recht auf visafreie Reisen in Kernländer, die Staatsbürgerschaft eines Common- wealth- oder EU-Staates, das Recht, sich überall in der Europäischen Union aufzu- halten und zu arbeiten (im Falle der europäischen Programme) oder die Befreiung von der Einkommenssteuer (im Falle einiger karibischer Programme). Die Haupt- nutznießer dieser Programme waren bisher chinesische, russische, aber auch liba- nesische, ägyptische und syrische männliche Investoren (Arton Capital 2017). Im Gegensatz zu älteren Aufenthalts- und Green-Card-Programmen in den USA, Ka- nada oder Australien erfordern die Aufenthalts- und Einbürgerungsprogramme für Investor*innen nicht, dass die Begünstigten in das Staatsgebiet umziehen oder dort regelmäßig Zeit verbringen. Sie umgehen daher zumeist den eigentlichen Migrati- onsprozess. Stattdessen verwenden sie die gekaufte „Staatsbürgerschaftsprämie“ für Geschäfts- und Reisezwecke sowie dafür, ihre Kinder auf europäische Schulen zu schicken (Boatcă 2016). Theoretisch könnte die Staatsbürgerschaft eines jeden Staates durch die Aufnahme in Investorenprogramme vermarktet werden. Doch nur die Staatsbürgerschaft ei- niger weniger Staaten eignet sich als Ware, da sie ein knappes Gut ist, das (relativ) seltene Vorteile gewährt. Aus dieser Sicht können Staaten, deren Staatsbürgerschaft den Vorteil der visumfreien Einreise in Länder des Zentrums oder sogar das Recht auf legale Beschäftigung in diesen Ländern ermöglicht, wiederum „Premium- Staatsbürgerschaften“ anbieten, die für Investor*innen attraktiv sind. Staaten, die nicht zum Zentrum gehören, können die Residualvorteile ehemaliger Kolonien nut- zen, die sich heute unter anderem einen visafreien Reiseraum teilen, wie im Fall des britischen Commonwealth. Dies steht jedoch kaum im Vergleich zu den Rechten, die eine EU-Staatsbürgerschaft gewährt, zu denen Freizügigkeit, Aufenthalt und Nicht- diskriminierung innerhalb der EU, das aktive und passive Wahlrecht bei den Wahlen zum Europäischen Parlament und den Kommunalwahlen, diplomatischer Schutz außerhalb der EU usw. gehören. Für wohlhabende Personen aus nicht-westlichen Ländern stellt die Staatsbürger- schaft durch Investition eindeutig ein Mittel zur globalen sozialen Mobilität dar, das 03_FP_01_20_Forum.indd 11803_FP_01_20_Forum.indd 118 21.04.2020 11:12:4021.04.2020 11:12:40 FORUM FEMINA POLITICA  1 | 2020 119 sich sowohl der Zuschreibung als auch der Migration entzieht und gleichzeitig die Rassisierung umgeht – ein kapitalgestützter, symbolischer Aufstieg auf der rassi- schen Leiter (Boatcă 2017). Eine solche monetäre – und vorübergehende – Entkopp- lung vom rassisierten Körper durch den Besitz eines westlichen Passes widerlegt jedoch die Erfahrung der großen Mehrheit der transnationalen Arbeitsmigrant*innen, für die die Gewährung von wirtschaftlicher Aufwärtsmobilität gleichzeitig das entgegengesetzte Risiko mit sich bringt, nämlich als Nicht-Weiße eingestuft zu wer- den. Andererseits ist die Entkopplung vom rassisierten und vergeschlechtlichten Körper eine Option, die für die meisten Frauen, die weltweit deutlich weniger Zu- gang zu Kapital und existenziellen Ressourcen haben, nicht möglich. Frauen greifen daher auf oft im Körper verankerte Strategien der sozialen Mobilität zurück. Was wir als die verkörperte soziale Mobilität von Frauen und feminisierten Anderen be- zeichnen, stellt somit das Gegenstück zur monetarisierten sozialen Mobilität dar, die wohlhabenden Männern überproportional zur Verfügung steht. Die Kolonialität von Staatsbürgerschaft und kolonialer Frauentausch Aus globaler Sicht erfolgte die Institutionalisierung der Staatsbürgerrechte in den westlichen Nationalstaaten parallel zu dem rechtlichen (und physischen) Ausschluss von nicht-europäischen, nicht-Weißen und nicht-westlichen Bevölkerungen von so- zialen und kulturellen Rechten. Indem sie auf den rassisierten und erotisierten Kör- per zielte, hat die Kolonialität von Staatsbürgerschaft die Zirkulation des weiblichen Körpers als Ware seit ihrer Entstehung zu einem zentralen Teil der kolonialen Ord- nung der Geschlechterverhältnisse gemacht (Boatcă/Roth 2016). Die Anderen, die in diesem Prozess geschaffen wurden – Frauen, Homosexuelle, LGBTIQ-Personen, Personen mit unterschiedlich befähigten Körpern – werden gesellschaftlich als Au- ßenseiter oder Abjekte behandelt und unterliegen sozialen Sanktionen. Verkörperte Praktiken sind daher immer schon auch von nicht nur vergeschlechtlichten, son- dern gleichzeitig von sexualisierten, rassisierten und klassifizierten Subjektivitäten geprägt – und produzieren diese zugleich (Fanon 1963; Lorde 1984; hooks 1990; Ahmed 2000). Im Folgenden untersuchen wir, wie das koloniale Erbe, das in die gegenwärtigen Staatsbürgerschaftsregelungen eingeschrieben ist, durch vergeschlechtlichte Strate- gien verkörperter sozialer Mobilität verkompliziert wird. Indem wir die Strategien von Frauen und feminisierten Anderen für den Zugang zu Bürgerrechten als Formen „verkörperter sozialer Mobilität“ diskutieren, untersuchen wir die durch die „Kolo- nialität von Staatsbürgerschaft“ (Boatcă/Roth 2016) implementierte Geschlechter- dividende und die Art und Weise, wie sie gegenwärtig von Frauen und feminisierten Anderen mit begrenzter oder beträchtlicher wirtschaftlicher Macht destabilisiert wird. 03_FP_01_20_Forum.indd 11903_FP_01_20_Forum.indd 119 21.04.2020 11:12:4021.04.2020 11:12:40 FORUM 120 FEMINA POLITICA  1 | 2020 Frauen auf der Überholspur und verkörperte soziale Mobilität Fast Track 1: Die Ehe – die internationale Marktoption Im Gegensatz zu Migrant*innen aus der Unterschicht können Frauen aus der Mit- telschicht auf soziales und finanzielles Kapital zählen, um in ein reicheres Land zu gelangen. Zudem können sie positive exotische Stereotypen, die ihrem Körper zuge- schrieben werden, nutzen, um die soziale Mobilität aktiv zu gestalten. Exemplarisch zeigt das Katherine Braun (2016), die die Alltagspraktiken bolivia- nischer Migrantinnen aus der Mittelklasse in Santa Cruz de la Sierra in Genf, Schweiz, untersucht hat. Seit den 1980er Jahren zwang der Privilegienverlust ihrer Familien im neuen wirtschaftlichen Kontext die bolivianischen Frauen aus der ehemaligen Mittelschicht zu Kleinunternehmertum und Migration und führte zur Arbeitslosig- keit vieler Männer (ebd., 212). Als erste ihrer Schicht, die international migrieren, bezeichnen sie sich selbst als „Pioniere“, die im Gegensatz zu Arbeitsmigrant*innen nicht in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen nach Europa eingewandert sind, sondern auf der Suche nach einer Ehe mit dem Besitzer eines privilegierten Passes wie dem schweizerischen. Das exotische erotische Kapital, das die sog. „chicas de oro“ (Goldmädchen) einsetzen, um vor allem südeuropäische Männer (mit Schwei- zer Pass) anzuziehen, schöpft aus dem Repertoire kolonialer Hierarchien, um im Migrationskontext eine neue Form von Tauschwirtschaft zu schaffen. In Überein- stimmung mit Gayle Rubins Konzept vom „Frauentausch“ (Rubin 1975) kann die Zirkulation des weiblichen Körpers als Ware als Fortsetzung einer kolonialen Ord- nung der Geschlechterverhältnisse in Bolivien betrachtet werden, wo das Einge- hen sexueller Beziehungen mit Männern höherer sozialer Schichten zur sozialen Mobilität ganzer Familien nach oben führte und damit zu einem Organisationsprin- zip der sozialen Beziehungen in ländlichen Gebieten wurde. Diese Hierarchie war nach Braun auch für die Gestaltung der Geschlechterverhältnisse entscheidend: „Je heller die (Haut-)Pigmentierung, desto höher die Wertschätzung und die Chance, einen wirtschaftlich gut gestellten Mann zu ‚erobern‘. Nach diesem Paradigma ist die größte Ressource der „chicas de oro“ als Mestizen europäischen Ursprungs ihre ‚goldene‘ Haut (Braun 2016, 215), was zu einer Sexualisierung und Ökonomisie- rung ihrer Körper führte. Ein attraktives Erscheinungsbild und die damit verbun- denen „Körpertechniken“ spielen dabei eine entscheidende Rolle. In Übereinstim- mung mit der Logik der Kolonialität der Macht (Quijano 2000) wurde „Schönheit“ mit „Weißsein“ als dominierendes Paradigma der Weiblichkeit in Santa Cruz de la Sierra identifiziert, das eine rassisierte Hierarchie der Bevölkerung zum Ausdruck bringt (Braun 2016, 215). Ähnliche erotisierte und exotisierte koloniale Zuschreibungen gelten auch für Frauen aus den unteren sozialen Schichten. Aufgrund ihrer geringeren Wirtschaftskraft und physischen Mobilität sind sie jedoch eher an ihr Herkunftsland oder ihre Herkunfts- region gebunden, um nach Partnern mit einem privilegierten Pass zu suchen, und auf 03_FP_01_20_Forum.indd 12003_FP_01_20_Forum.indd 120 21.04.2020 11:12:4021.04.2020 11:12:40 FORUM FEMINA POLITICA  1 | 2020 121 diese Weise soziale Mobilität zu erreichen. Zu vielen Reisezielen reisen mögliche Kandidaten (zuerst) als Touristen. Fast Track 2: Sex (und) Tourismus – Mobilität durch erotisches Kapital Angesichts der Zunahme an Geschäftsmobilität, Nord-Süd-Tourismus und an Kom- munikationstechnologien, die die Aufrechterhaltung von Fernbeziehungen erleich- tern, bieten touristische Begegnungen in vielen Räumen das einzige Mittel für einen schnellen Zugang zu sozialer Mobilität oder einen privilegierte Staatsbürgerschaft für diejenigen, die nicht die wirtschaftliche Macht haben, zu den jeweiligen Zielen zu reisen. Wie Kamugisha (2007) hervorhebt, folgt bspw. die „Tourismuswirtschaft“ in den (anglophonen) Karibikstaaten einem kolonialen Muster, da in vielen Des- tinationen die Zahl der Tourist*innen die Zahl der Staatsbürger*innen übersteigt, was – in Kombination mit der hohen Abhängigkeit vom Tourismus – die Grenze, wer ein(e) (legitime/r) Staatsbürger*in ist, verwischt. Die Tourist*innen genießen eine Art „extraterritorialer“ Staatsbürgerschaft, da sie einen entscheidenden Teil des Bruttoinlandsprodukts stellen. Die Ehe mit dem Besitzer oder der Besitzerin eines westlichen Passes bietet eine der wenigen legalen und – im Gegensatz zu lebensbedrohlichen illegalisierten Grenzü- bertritten – einfachen Möglichkeiten des Zugangs zu sozialer Mobilität und einem privilegierten Staatsbürgerschaftsstatus. Tourismus (und Sex- oder Romantik- Tourismus im Besonderen) bietet eine Plattform für entsprechende Begegnungen, jedoch vor dem Hintergrund zutiefst ungleicher Machtpositionen und Zugangsbe- dingungen, die sich in ungleich verteilter wirtschaftlicher Macht und der Rassisie- rung und Sexualisierung kolonialer Körper ausdrücken (Boatcă/Roth 2016). Denn die nicht-westlichen Partner*innen sind in hohem Maße von ihren privilegierten Passpartner*innen abhängig. Frauen sind wiederum besonders von physischer, psy- chischer oder sexueller Gewalt betroffen. Darüber hinaus sehen viele westliche Sex- touristen ihre erotischen Eskapaden in der Ferne als Ausweg aus den feministischen Errungenschaften in westlichen Ländern, wo Frauen ihre Partner wegen gewalttä- tigen Verhaltens verklagen (können) (O’Connell Davidson 2001). Filme wie „Sand Dollars“ (2015), „Paradies: Liebe“ (2012) oder „Heading South“ (2006) zeigen jedoch, dass, seit Frauen in westlichen Ländern in großer Zahl in den Arbeitsmarkt integriert sind und wirtschaftliche Macht, Unabhängigkeit und Mobi- lität genießen, neokoloniale Tourismusbegegnungen nicht (mehr) auf Männer (oder heterosexuelle Wünsche) beschränkt sind, obwohl Studien über solche Phänomene den weiblichen sexualisierten Tourismus oft als „Romantik-Tourismus“ (romance tourism) bezeichnen (und damit die strukturellen Ähnlichkeiten zum männlichen Sextourismus kaschieren). Sex-Tourismus von Frauen verweist auf die koloniale Dimension der Geschlechterverhältnisse und der Staatsbürgerschaft, die im globalen Maßstab an sehr unterschiedlichen sozialen Orten unterschiedlich vergeschlechtli- chte Männer und Frauen intersektionell positioniert. Die einzelnen Rituale mögen 03_FP_01_20_Forum.indd 12103_FP_01_20_Forum.indd 121 21.04.2020 11:12:4021.04.2020 11:12:40 FORUM 122 FEMINA POLITICA  1 | 2020 unterschiedlich sein, aber wie die männlichen nutzen weibliche (Sex-)Touristinnen ihre wirtschaftliche Macht, ihren privilegierten Staatsbürgerschaftsstatus und ihr rassisches Kapital – Weißsein – um der Benachteiligung aufgrund des Alters (und oft auch des Geschlechts und der Klasse) entgegenzuwirken, denen sie zu verkör- perter Praktiken, die auf stereotypen Zuschreibungen und Erwartungen und ihrem (exotisierten) erotischen Kapital beruhen, um ihre nachteilige Wirtschaftskraft und eingeschränkte Mobilität auszugleichen. Ihre Situation ist jedoch oft prekär, da der meist verschleierte Charakter der wirtschaftlichen Dimension anders als bei „klas- sischen“ Sexarbeitsbegegnungen die Empfänger*innen oft vom Wohlwollen der Tourist*innen abhängig macht. Die „Gegenleistung“ für die romantische und/oder sexuelle Dienstleistung/Gesellschaft kann von der Bereitstellung von Essen und Ge- tränken oder teuren Geschenken bis hin zu regelmäßigen Zahlungen oder einem Ticket und einem Schengen-Visum oder sogar zu langfristigen Beziehungen oder einer Eheschließung reichen. Fast Track 3: Geburt – Mobilität für die nächste Generation sichern Ein Weg, um zum Beispiel Zugang zur US-Staatsbürgerschaft zu erlangen, ist die Geburt auf amerikanischem Boden. Jedes Kind, das auf amerikanischem Boden geboren wird, ist automatisch US-Bürger*in und kann im Alter von 21 Jahren die US-Staatsbürgerschaft auf seine Eltern ausdehnen. Dieses Recht geht auf den 14. Zusatz zur US-Verfassung zurück (Boatcă/Roth 2016). Obwohl eine Wartezeit von 21 Jahren eher als das Gegenteil einer Abkürzung zur sozialen Mobilität beschrie- ben werden kann, bietet sie der nächsten Generation sofortige soziale Mobilität. Für nicht-westliche Frauen der Oberschicht bilden solche rechtlichen Schlupflöcher in einem ansonsten starren Regime die Möglichkeit, schnell die US-Staatsbürgerschaft zu erlangen. Sogenannte „Geburtstourismus“-Firmen bieten Wohnungen als Teil von Paketen an, die über 75.000 Dollar kosten. Die in Privatbesitz befindlichen Eigen- tumswohnungen sind Investitionsobjekte ein sicherer Ort, um Ersparnisse in US-Dol- lar zu lagern (Blakley/Parfitt 2018). Das in Miami ansässige Unternehmen Status- Med bietet z.B. eine Trump-Royale-Penthouse-Wohnung für 7.000 Dollar pro Monat sowie vollen Zugang zum Sunny Medical Centre, das Strand-Yoga und medizinische Versorgung für werdende Mütter organisiert. Das Sunny Medical Center wirbt offen für die Staatsbürgerschaft als einen der Hauptvorteile für seine Kund*innen. Frauen, die diese Dienste in Anspruch nehmen, teilen den US-Beamten offen mit, dass das Ziel ihrer Reise die Geburt auf US-Boden ist, um die Staatsbürgerschaft für ihre Ba- bys – und somit finanzielle Unterstützung an US-Schulen, einen leichteren Zugang zu Arbeitsplätzen in den USA und die Möglichkeit, Green Cards für ihren Nachwuchs und ihre Familie – zu erhalten (Pavey 2017). Die Kinder von Migrant*innen aus der Unterschicht und die Empfänger des DACA-Programms2, sind hingegen in ständiger Gefahr, abgeschoben zu werden. Wenn die Strategie, auf US-Boden zu gebären, von armen und/oder illegalen Einwandernden praktiziert wird, ist sie derzeit Gegenstand 03_FP_01_20_Forum.indd 12203_FP_01_20_Forum.indd 122 21.04.2020 11:12:4021.04.2020 11:12:40 FORUM FEMINA POLITICA  1 | 2020 123 von Sanktionen und wird durch die Erstellung von ethnischen und rassistischen Pro- filen kriminalisiert. Diese Politik weist auf die anhaltenden rassistisch-koloniale Aus- richtung des 14. Amendments als Teil der Kolonialität von Staatsbürgerschaft hin. Wohlhabende nicht-westliche Frauen nutzen die Logik der Kolonialität der Staats- bürgerschaft zu ihrem Vorteil – sie verkörpern buchstäblich die soziale Mobilität für die nächste Generation und „übertrumpfen“ so ihre geschlechtsspezifische und rassische Benachteiligung. Die zugrunde liegende koloniale Geschlechter- und Ras- senhierarchie ist jedoch nur vorübergehend – und nur monetär – ausgesetzt und wird für die nächsten Anwärter*innen auf dieselben Rechte nicht in Frage gestellt. Ausblick: Abkürzung zu welcher Mobilität? Für wohlhabende Nicht-Westler*innen stellen die Möglichkeiten, durch Investitio nen die Aufenthaltserlaubnis oder die Staatsbürgerschaft westlicher Staaten zu be- kommen, sofortige globale soziale Mobilität sowie ein Mittel dar, um sich Weißsein zu „erkaufen“. Alle drei beschriebenen verkörperten Strategien für den schnellen Weg zu einer privilegierten Staatsbürgerschaft und sozialer Aufwärtsmobilität wer- den von kolonial geschichteten Achsen der Ungleichheit durchkreuzt und konterka- riert, die Wirtschaftskraft und Mobilität im globalen Maßstab kennzeichnen. Veran- kerte Praktiken der Staatsbürgerschaft bieten damit völlig unterschiedliche Optionen und bergen sehr unterschiedliche Risiken für vergeschlechtlichte Akteur*innen un- terschiedlicher sozio-ökonomischer Klassenzugehörigkeit und Rassisierung. Unsere drei Beispiele von Versuchen, Staatsbürgerschaft und soziale Mobilität „auf die Schnelle“ zu erreichen, zeugen zudem von der geschlechtsspezifischen Dimension globaler Ungleichheiten. Im Gegensatz zu männlichen wohlhabenden Investoren sind Frauen und feminisierte Andere häufig gezwungen, ihren Körper zum Tausch anzubieten, um ein Visum oder einen Pass zu erhalten. Viele wenden körperliche Praktiken an, die koloniale rassistische Geschlechterhierarchien und die entsprechenden exotisierten erotisierten Bilder und Vorstellungen von nicht-Wei- ßen Körpern (aller Geschlechter) reproduzieren. Der Bruch mit der Kolonialität der Staatsbürgerschaft ist daher begrenzt: Während der strategische Gebrauch des eige- nen Körpers sowohl die Geschlechterhierarchien als auch die kolonialen Machtver- hältnisse umkehrt und vorübergehend überwindet, ändert dies nicht die systemische Operationslogik, auf die dieses Handeln abzielt. Die körperliche Praxis wird somit nicht zu einem transformativen Projekt, das in der Körper-Politik des Wissens be- gründet ist. Vielmehr wird verkörperte soziale Mobilität als eine Form der „Alltags- politik“ (Braun 2016, 223) zu einer systematischen Option. Anmerkungen 1 Für eine längere, englischsprachige Fassung dieses Textes s. Boatcà́/Roth 2019 2 Deferred Action for Childhood Arrivals-Programm, das in die USA eingewanderte Minderjäh- rige ohne Papiere, die sogenannten „Dreamers“, für zwei Jahre vor der Abschiebung schützt. 03_FP_01_20_Forum.indd 12303_FP_01_20_Forum.indd 123 21.04.2020 11:12:4121.04.2020 11:12:41 FORUM 124 FEMINA POLITICA  1 | 2020 Literatur Ahmed, Sara, 2000: Strange Encounters. Embodied Others in Postcoloniality. London, New York. Arton Capital, 2017: A Shrinking World: Global Citizenship for UHNW Individuals. Special Report. Internet: www.artoncapital.com/documents/publications/Arton-Capital-Wealth-X-Reportweb. pdf (24.03.2018) Blakley, Rhys/Parfitt, Tom, 2018: Pregnant Russians flock to Florida for sun (and US Passport). Internet: www.thetimes.co.uk/article/pregnant-russians-flock-to-florida-for-sun-and-us-pass- port-67c7395wf (12.01.2018). Boatcà́, Manuela, 2016: Kapital aus Staatsbürgerschaft und die globale Strukturierung des Na- tionalen. In: Bude, Heinz/Staab, Philipp (Hg.): Kapitalismus und Ungleichheit. Die neuen Verwer- fungen, Frankfurt/M., 137-153. Boatcà́, Manuela, 2017: The Centrality of Race to Inequality Across the World-System. In: Journal of World-Systems Research. 23 (2), 465-473. Boatcà́, Manuela/Roth, Julia, 2016. Unequal and Gendered. Notes on the Coloniality of Citizen- ship. In: Current Sociology. 64 (2), 191-212. Boatcà́, Manuela/Roth, Julia, 2019: Women on the Fast Track? Coloniality of Citizenship and Em- bodied Social Mobility. In: Cohn, Samuel/Blumberg, Rae (Hg.) Gender and Development: The Eco- nomic Basis for Women’s Power, London, 197-218. Braun, Katherine, 2016: Dekoloniale Perspektiven auf Alltagspraktiken Bolivianischer Migratin- nen zwischen Santa Cruz de la Sierra und Genf. In: Feministische Studien. 34 (2), 207-225. Fanon, Frantz, 1963: Black Skins, White Masks. New York. hooks, bell, 1990: Yearning. Race, Gender and Cultural Politics. Boston. Kamugisha, Aaron, 2007: The Coloniality of Citizenship in the Contemporary Anglophone Carib- bean. In: Race & Class. 49 (2), 20-40. Korzeniewicz, Roberto Patricio/Moran, Timothy Patrick, 2009: Unveiling Inequality. A World-Hi- storical Perspective. New York. Lorde, Audre, 1984: Sister Outsider: Essays and Speeches. New York. Milanovic, Branko, 2016: Global Inequality: A New Approach for the Age of Globalization. Cam- bridge, Massachusetts. O’Connell Davidson, Julia, 2001: The Sex Tourist, The Expatriate, His Ex-Wife and Her ‘Other’. The Politics of Loss, Difference and Desire. In: Sexualities. 4 (1), 5-24. Pavey, Harriet, 2017: Wealthy Russians are Flocking to Give Birth at Trump’s Luxury US Resorts so Their Kids Can Have Dual Citizenship. Internet: www.standard.co.uk/lifestyle/london-life/ russians-flock-to-give-birth-at-trump-s-properties-in-the-us-so-their-kids-can-have-dualciti- zenship-a3628971.html (07.09.2017). Pendleton, Devon/Cannon, Christopher, 2018: The World’s Wealthiest Women Are a Rare Breed, Bloomberg, 8. März. Internet: www.bloomberg.com/graphics/2018-female-billionaires/ (29.03.2018). Quijano, Aníbal, 2000: Coloniality of Power, Eurocentrism, and Latin America. In: Nepantla: Views from South. 1 (3), 533-574. Reid-Henry, Simon, 2015: The Political Origins of Inequality: Why a More Equal World Is Better for Us All. Chicago. Rubin, Gayle, 1975: The Traffic in Women: Notes on the ‘Political Economy’ of Sex. In: Reiter, Rayna (Hg.): Toward an Anthropology of Women. New York, 157-210. Shachar, Ayelet, 2009: The Birthright Lottery. Citizenship and Global Inequality. Cambridge, Mas- sachusetts. 03_FP_01_20_Forum.indd 12403_FP_01_20_Forum.indd 124 21.04.2020 11:12:4121.04.2020 11:12:41 FORUM FEMINA POLITICA  1 | 2020 125 Wang, Jennifer, 2018: The Richest Women in the World 2018, Forbes, 06.03.2018, Internet: www. forbes.com/sites/jenniferwang/2018/03/06/richest-women/#12d3d55881f1 (16.02.2020) Filme Heading South (Frankreich/Kanada 2006, Regie: Laurent Cantet), https://www.imdb.com/title/ tt0381690/?ref_=nv_sr_srsg_0 Paradies: Liebe (Österreich 2012, Regie: Ulrich Seidel), https://www.imdb.com/title/ tt1403214/?ref_=nv_sr_srsg_0 Sand Dollars (Dominikanische Republik 2015, Regie: Laura Amelia Guzmán, Israel Cárdenas), https://www.imdb.com/title/tt3958098/?ref_=fn_al_tt_1 Den „König Sex“ vom Thron stoßen? Das widerständige Potenzial einer queer-affektiven Subjektivierung1 VERENA KETTNER Dieser Artikel beschäftigt sich aus einer queerfeministischen und affekttheoretischen Perspektive mit den Möglichkeiten, die queere Affekte für eine widerständige queere Subjektivierung haben können. Das Ziel der Analyse dieser „queeren Affekte“ ist es, erkennbar zu machen, wie die Implikationen von Emotionen2 wie Wut und Trauer, aber auch Glück und Hoffnung in Vorstellungen, Diskurse und Handlungen rund um queeres Leben eingeschrieben sind. Wie beeinflussen sie, wie queere Subjekte ihre vergeschlechtlichten, sexualisierten und verkörperten Identitäten entwerfen? Wel- che Handlungsmacht erlangen queere Subjekte dadurch in neoliberalen, heteronor- mativen Gesellschaften – oder nicht? Im folgenden Artikel werde ich diese queere Untersuchung von Affekten und ihren Implikationen am Beispiel des AIDS-Aktivis mus in den 1980er-Jahren kurz darstellen, da dieser auf Wut und Trauer basiert und den Zusammenhang zu queeren Diskursen besonders deutlich sichtbar macht. Ich werde dabei umreißen, welches widerständige Potenzial für individuelle und kollek- tive Subjektivierungsformen und für Grenzverschiebungen des neoliberalen, hetero- normativen Sexualitätsdispositivs sichtbar wird. Was ist der „König Sex“? Zu Beginn nun eine berechtigte Frage: Was ist der „König Sex“ (Foucault 2003(1977), 336) und von welchem Thron soll er gestoßen werden? Wenn Michel Foucault vom „König Sex“ (ebd.) spricht, bezeichnet er damit das Sexualitätsdispositiv, welches er in westlichen, modernen3 Gesellschaften verortet. Im modernen Sexualitätsdis- positiv werden Individuen durch verschiedene Machtmechanismen dazu angehal- https://doi.org/10.3224/feminapolitica.v29i1.11 03_FP_01_20_Forum.indd 12503_FP_01_20_Forum.indd 125 21.04.2020 11:12:4121.04.2020 11:12:41 https://www.forbes.com/sites/jenniferwang/2018/03/06/richest-women/%252312d3d55881f1 https://www.forbes.com/sites/jenniferwang/2018/03/06/richest-women/%252312d3d55881f1 https://www.google.de/search?client=firefox-b&dcr=0&q=Israel+C%252525252525C3%252525252525A1rdenas&stick=H4sIAAAAAAAAAOPgE-LWz9U3MDQsNEjJSlLiAnFMCszMk9O1xLKTrfTTMnNywYRVSmZRanJJfhEAiBE8mDMAAAA&sa=X&ved=0ahUKEwif8PX2vaXaAhXFCSwKHYdNAWoQmxMItgEoAjAX