DIGITALISIERUNG ZWISCHEN UTOPIE UND KONTROLLE FEMINA POLITICA 2 | 2014 59 Tangens, Rena, 1997: Netzwesen – Macht kommt von Machen. In: Hooffacker, Gabriele/Tangens, Rena (Hg.): Online-Guide Frauen & Netze. Findig reisen in den Netzen. Reinbek bei Hamburg, 120-135. Taylor, Verta/Whittier, Nancy E., 1992: Collective Identity in Social Movement Communities: Les- bian Feminist Mobilization. In: Morris, Aldon D./Mueller, Carol McClurg (Hg.): Frontiers in Social Movement Theory. New Haven, 104-129. Wendelin, Manuel/Löblich, Maria, 2013: Netzpolitik-Aktivismus in Deutschland. Deutungen, Er- wartungen und Konstellationen zivilgesellschaftlicher Akteure. In: Medien & Kommunikations- wissenschaft. 61 (1), 58-75. Winker, Gabriele, 2012: Intersektionalität als Gesellschaftskritik. In: Widersprüche. 126 (4), 13- 26. Winker, Gabriele/Degele, Nina, 2009: Intersektionalität. Zur Analyse sozialer Ungleichheiten. Münster. Öffentlichkeiten im Internet: Zwischen Feminismus und Antifeminismus RICARDA DRÜEKE. ELISABETH KLAUS Einleitung: Zur Aktualität von Öffentlichkeitstheorien Öffentlichkeit gehört zu den zentralen Konzepten der Gender Studies – in Ausei- nandersetzung mit vorliegenden Öffentlichkeitstheorien wurden diese unter dem Blick feministischer Herrschaftskritik analysiert, verworfen oder weiterentwickelt (z.B. Fraser 2001; Pateman 1988; Sauer 2001). Insbesondere erfuhr die hegemoniale bzw. tradierte Sichtweise auf Öffentlichkeit als massenmediale Öffentlichkeit eine Erweiterung, indem vielfältige Foren, Räume, Institutionen oder Alternativmedien als bedeutend für den öffentlichen Diskurs identifiziert wurden (vgl. Geiger 2002, 81). Öffentlichkeit ist als komplexer und dynamischer Prozess nicht an bestimmte Räume oder Foren gebunden und kann damit auch private Alltagspraxen umfassen (vgl. ebd.). Öffentlichkeitstheorien werden seit der Jahrtausendwende insbesondere durch das Internet herausgefordert, ihre Annahmen und Vorstellungen zu überdenken, da sich Theorien, etwa zunächst bei Jürgen Habermas (1995), auf einer weitgehenden Gleichsetzung von Massenmedien und Öffentlichkeit bei gleichzeitiger Ausgren- zung anderer medial vermittelter oder interpersoneller Kommunikationsformen gründeten. Die feministische Forschung hat dabei das Potenzial des neuen Medi- ums zur Neukonstruktion von Identitäten und Subjektivitäten sowie zur Vernetzung FP_02_14_009_096.indd 59FP_02_14_009_096.indd 59 14.10.2014 19:56:0114.10.2014 19:56:01 DIGITALISIERUNG ZWISCHEN UTOPIE UND KONTROLLE 60 FEMINA POLITICA 2 | 2014 betont, da sich durch das Internet Beteiligungs- bzw. Partizipationsmöglichkeiten an Öffentlichkeit verändert haben (z.B. Haraway 1995; Shade 2002). Im Internet sind zahlreiche Frauen- und Mädchennetzwerke entstanden, die neue Formen von Öffentlichkeiten herausbilden und teilweise subversive Strategien und gegenhege- moniale Diskurse ermöglichen (vgl. Drüeke/Winker 2005; Schachtner 2005). Dem- gegenüber zeigen sich im Internet allerdings auch gegenläufige Entwicklungen, wie die Dominanz elitärer Akteur_innen, rechtsextremistische und antifeministische Tendenzen sowie die Verstärkung sozialer Ungleichheiten (vgl. Gruber 2012; Zillien/Hargittai 2009). Darüber hinaus werden weiterhin Geschlechterdifferenzen geschaffen bzw. reorganisiert (vgl. Wischermann 2004, Royal 2008). Im Folgenden zeichnen wir zunächst die Veränderungen von Öffentlichkeiten im Internet nach. Als theoretischer Rahmen dient das Öffentlichkeitsmodell von Eli- sabeth Klaus (2005), das Formen und Ebenen von Öffentlichkeit benennt, die für den Selbstverständigungsprozess einer Gesellschaft bedeutsam sind. Anschließend zeigen wir anhand der Antisexismus-Debatte #aufschrei auf Twitter die Potenziale alternativer Formen des Politischen und die Chancen feministischer Protestartiku- lationen durch das Internet auf, verweisen aber auch auf die damit verbundenen Schwierigkeiten. Anhand antifeministischer Online-Netzwerke werden die Risiken neuer Öffentlichkeiten für feministische Anliegen deutlich. Maskulinistische Seiten wie WikiMANNia (www.wikimannia.org) und wgvdl.com („Wieviel Gleichberech- tigung verträgt das Land?“) zeichnen sich durch einen aggressiven Antifeminismus aus und nehmen, wie auch zahlreiche antifeministische Blogs und Hashtags, Bezug auf die #aufschrei-Debatte. Theoretische Verortung: Das Drei-Ebenen-Modell von Öffentlichkeit Das Internet kann Räume und Diskurse pluralisieren und abweichende Positionen zur Geltung bringen. Verschiedene Öffentlichkeiten ermöglichen marginalisier- ten Gruppen gemeinsame Interessen zu bündeln und dafür zu mobilisieren. Eine solche Sicht auf heterogene Öffentlichkeiten widerspricht dem ursprünglichen Habermas’schen Entwurf einer relativ homogenen bürgerlichen Öffentlichkeit (vgl. Habermas 1995). Insbesondere Nancy Fraser (2001) hat darauf hingewiesen, dass zivilgesellschaftliche Bewegungen und Gegenöffentlichkeiten ungeachtet ihrer Teilhabe an diskursiven Prozessen im Modell der bürgerlichen Öffentlichkeit nicht inkludiert sind. Fraser (ebd.) betont, dass neben einer hegemonialen Öffentlichkeit zahlreiche Gegenöffentlichkeiten bzw. subalterne Öffentlichkeiten die öffentliche Sphäre prägen. Normen und Werte, aber auch Themen, die keinen Platz in der he- gemonialen politischen Öffentlichkeit gefunden haben, können dann grundsätzlich öffentlich debattiert werden. Chantal Mouffe (2007) hat, dabei ebenfalls auf Habermas Bezug nehmend, den Be- griff der „agonistischen Öffentlichkeit“ geprägt. Im Zentrum ihres Konzepts steht ein Aspekt, der in bisherigen Öffentlichkeitskonzepten vernachlässigt wurde, näm- FP_02_14_009_096.indd 60FP_02_14_009_096.indd 60 14.10.2014 19:56:0114.10.2014 19:56:01 http://www.wikimannia.org DIGITALISIERUNG ZWISCHEN UTOPIE UND KONTROLLE FEMINA POLITICA 2 | 2014 61 lich der des Konflikts, da die „Bedeutung des Dissenses für die demokratische Ge- sellschaft“ im Glauben an eine „gute Gesellschaft“ übersehen wird (Mouffe 2007, 42). Damit werden Machtbeziehungen als Grundbestandteil demokratischer Gesell- schaften anerkannt und der permanente Widerstreit zwischen verschiedenen sozi- alen und kulturellen Positionen hervorgehoben. Angewendet auf das Internet bedeu- tet dies, dass die verschiedenen Teilöffentlichkeiten, die von zivilgesellschaftlichen, staatlichen und ökonomischen Akteur_innen gebildet werden, in ständigem Konflikt miteinander stehen, aber auch innerhalb von Öffentlichkeiten nicht nur deliberative, sondern auch agonistische Formen der Kommunikation möglich sind. Damit wird das Internet zum Kampffeld für hegemoniale und gegenhegemoniale Kommunika- tionen. An die Ausführungen von Fraser hat Elisabeth Klaus (2005) theoretisch angeknüpft und Öffentlichkeit als einen gesellschaftlichen Selbstverständigungsprozess be- schrieben, der auf verschiedenen Ebenen von Öffentlichkeit stattfindet. Ricarda Drüeke (2013) hat diese Ausführungen mit Raumkonzepten verbunden und theore- tisch wie empirisch gezeigt, dass es auch für die Analyse politischer Kommunika- tion im Internet eine geeignete Analyseperspektive bietet. Wenn Öffentlichkeit als Selbstverständigungsprozess einer Gesellschaft gefasst wird, der mittels Delibera- tion vonstatten geht, verweist dies auf verschiedene sich gegenseitig durchdringende Diskurssphären. Öffentlichkeiten können in unserer Konzeption nach der Komple- xität der Kommunikationsforen differenziert werden; entsprechend unterscheiden wir zwischen drei Ebenen, auf denen Öffentlichkeit entsteht und gesellschaftliche Selbstverständigungsprozesse stattfinden. Diese drei Ebenen sind nicht überschnei- dungsfrei, sondern stellen idealtypische Beschreibungen des Öffentlichkeitspro- zesses dar (vgl. Abbildung 1). Abbildung 1: Ebenen von Internet-Öffentlichkeiten FP_02_14_009_096.indd 61FP_02_14_009_096.indd 61 14.10.2014 19:56:0214.10.2014 19:56:02 DIGITALISIERUNG ZWISCHEN UTOPIE UND KONTROLLE 62 FEMINA POLITICA 2 | 2014 Die einfache, mittlere und komplexe Ebene von Öffentlichkeit weisen ihre je eige- nen Kommunikationsformen und -foren auf. Die Ebene der einfachen Öffentlichkeit stellt sich durch spontane Begegnungen her und zeichnet sich durch direkte und ega- litäre Kommunikationsformen aus. Ihren Prototyp bilden Alltagskommunikationen. Abbildung 1 verdeutlicht, welche Internetforen den jeweiligen Ebenen zugeordnet werden können und wie diese miteinander in Verbindung stehen. Auf der einfachen Öffentlichkeitsebene sind Forumseinträge, Äußerungen auf Twitter, Kommentare zu Medienberichten in Online-Zeitungen und Blogs angesiedelt (vgl. Drüeke 2013, 125ff.; auch Katzenbach 2008). Vor allem Letztere stellen eine Erweiterung der ein- fachen Öffentlichkeitsebene im Internet dar, da Verfasser_innen von Blogs mehr Menschen adressieren können, als das im persönlichen Gespräch möglich ist. Im Kontext von Protestbewegungen können gut vernetzte Blogs auch als mittlere Öf- fentlichkeit fungieren. Auf der mittleren Ebene von Öffentlichkeit ist weiterhin die interpersonelle Kommunikation bedeutend, es findet aber eine erste Rollendiffe- renzierung in Sprecher_innen und Zuhörer_innen, in bedeutende und einfache Mit- glieder, statt. Prototypen mittlerer Öffentlichkeiten stellen Bürger_inneninitiativen und Vereine dar. Mittlere Öffentlichkeiten haben eine Übersetzungsfunktion, inso- fern sie Themen und Positionen, die auf der einfachen Ebene der Öffentlichkeit dis- kutiert werden, bündeln und verallgemeinern. Im Internet liefern die Seiten von Pro- testbewegungen wie etwa Avaaz oder Occupy Beispiele für mittlere Öffentlichkeiten (vgl. Drüeke 2013, 127; Winter 2010). Auf der komplexen Ebene von Öffentlichkeit wird die Kommunikation weitergehend professionalisiert und die Rollen zwischen Kommunikator_innen und ihrem Publikum sind nicht mehr umkehrbar festgelegt. Die hier agierenden Rollenträger_innen, z.B. Minister_innen oder Journalist_innen, sind Mitglieder hoch komplexer und funktional ausdifferenzierter Institutionen und handeln stellvertretend für andere. Weil das Publikum zugleich immer abstrakter und in seinen Handlungsmöglichkeiten beschränkter wird, kann keine Deliberation stattfinden, sodass eine direkte soziale Kontrolle und Korrektur verhindert wird. Im Internet agieren auf dieser Ebene Regierungen und die in ihrer Reichweite besonders erfolgreichen traditionellen Massenmedien. Aufgrund der Kommentarmöglichkeit etwa bei Online-Zeitungen erhalten allerdings einfache Öffentlichkeiten eine Mög- lichkeit, sich auf diesen Seiten direkt zu Wort zu melden. So findet zwar kein Wechsel zwischen Kommunikator_innen und Publikum statt, wohl aber können Positionen, die auf der einfachen Öffentlichkeitsebene existieren, auf den medieninitiierten Internet-Seiten artikuliert und damit sichtbar werden. Manche dieser Kommentare werden wiederum in den Artikeln der Online- und Printzeitungen aufgegriffen. Im Vergleich zu reinen Offline-Öffentlichkeiten treffen im Internet dementspre- chend unterschiedliche Öffentlichkeitsebenen in vielfältigeren Konstellationen aufeinander, was den durchlässigen und fluiden Charakter des Internets unterstrei- cht. Insbesondere ist im virtuellen Raum auch eine wechselseitige Bezugnahme zwischen einfachen und komplexen Öffentlichkeiten möglich. Dass zwischen den einzelnen Öffentlichkeitsebenen vielfältige Verbindungen entstehen, visualisieren FP_02_14_009_096.indd 62FP_02_14_009_096.indd 62 14.10.2014 19:56:0214.10.2014 19:56:02 DIGITALISIERUNG ZWISCHEN UTOPIE UND KONTROLLE FEMINA POLITICA 2 | 2014 63 die Pfeile in Abbildung 1. Trotz dieser größeren Dynamik gilt weiterhin, dass die Wirkmächtigkeit von einfachen über mittlere hin zu komplexen Öffentlichkeiten deutlich zunimmt. Um die damit verbundene unterschiedliche Rückbezüglichkeit zu kennzeichnen, haben wir die Pfeile entsprechend anders akzentuiert. Das von uns vorgeschlagene Drei-Ebenen-Modell ermöglicht es, die gesellschaftlichen Selbst- verständigungsprozesse im Internet, und darüber hinaus ihre Verbindung zu Offline- Öffentlichkeiten, systematisch zu analysieren. Das wollen wir anhand von zwei ge- genläufigen Diskursen, die im Feminismus bzw. Antifeminismus verwurzelt sind, weitergehend erläutern. #aufschrei – eine antisexistische und feministische Gegenöffentlichkeit „(W)ir sollten diese erfahrungen unter einem hashtag sammeln. ich schlage #auf- schrei vor“ – mit diesem Tweet begann im Januar 2013 auf Twitter die Debatte um Alltagssexismus im deutschsprachigen Raum. Auf Twitter können durch so ge- nannte Hashtags (#) Tweets verschlagwortet werden, die damit auffindbar und zum Teil eines Diskurssystems werden (vgl. Thimm/Dang-Anh/Einspänner 2012). Über #aufschrei – so die Aufforderung der Initiator_innen – sollten Erlebnisse rund um das Thema Sexismus gesammelt und geteilt werden. Allein am Tag nach dem Start der Meldung wurde in 38.387 Tweets geantwortet. Mittlerweile hat #aufschrei den Grimme Online-Preis erhalten; in der Preisverleihung wurde ihm die Wirkung zuge- sprochen, die „zuvor noch kein Hashtag in Deutschland hatte“ (vgl. Der Standard. at, 24.6.2013). Doch steht dieses Ereignis nicht singulär, sondern reiht sich in eine schon lange – vor allem online – stattfindende Debatte über Sexismus ein. Sowohl der Blog „kleinerdrei“ im Januar 2013 sowie im englischsprachigen Raum die Hash- tags #shouting back und #EverydaySexism thematisierten alltäglichen Sexismus. Wesentliche Impulsgeberinnen dieser Debatte waren also Meinungsäußerungen auf Twitter und in Blogs, aufgegriffen wurde die Debatte dann auch in den traditionellen Massenmedien. Im Folgenden beschreiben wir den gesellschaftlichen Selbstverständigungsprozess über Alltagssexismus auf Twitter sowie die Verhandlungen des Themas in femini- stischen Blogs und weiteren Hashtags. Die jeweiligen Formen und Funktionen las- sen sich auf verschiedenen Öffentlichkeitsebenen verorten. Die spontanen Begegnungen verschiedener Akteur_innen auf Twitter zeichnen sich durch direkte Kommunikationsformen aus, die Austausch und wechselseitige Bezugnahmen ermöglichen. Allein in den ersten vier Tagen stammten die Tweets auf #aufschrei von 16.664 verschiedenen Personen (vgl. Marco 2013). Inhaltlich standen zu Beginn Schilderungen eigener Erfahrungen von Alltagssexismus in den unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbereichen im Mittelpunkt. Am Beispiel #auf- schrei wird deutlich, dass Sexismus und Gewalterfahrungen im Alltag vieler Frauen vorhanden sind und diese durch die Verhandlungen auf einer alltagspraktischen Ebene, wie sie Twitter ermöglicht, als kollektive Erfahrungen einer Gruppe sicht- FP_02_14_009_096.indd 63FP_02_14_009_096.indd 63 14.10.2014 19:56:0214.10.2014 19:56:02 DIGITALISIERUNG ZWISCHEN UTOPIE UND KONTROLLE 64 FEMINA POLITICA 2 | 2014 bar werden können. Damit können strukturelle Ungleichheiten deutlich werden und ihre Thematisierung ermöglicht zugleich die Neuaushandlung kultureller Werte und Normen, wie etwa von Geschlechternormen und -stereotypen sowie Geschlechts- konstruktionen. Im weiteren Verlauf der Debatte in #aufschrei gingen die persön- lichen Schilderungen zurück, während die gesellschaftliche Relevanz von Alltags- sexismus stärker betont wurde. Ab der zweiten Woche nahmen antifeministische Tweets kontinuierlich zu. Die Kritik des Hashtags an patriarchalen Strukturen wurde in weiteren Hashtags aufgegriffen, wie #queeraufschrei, die die Sexismus-Debatte vor dem Hintergrund heteronormativer Strukturen reflektierten. Ähnliche Hashtags, wie #ichbrauchefeminismus, der von dem Blog „Wer braucht Feminismus?“ (www. werbrauchtfeminismus.de) bereits im Herbst 2012 initiiert wurde, wurden oft gleich- zeitig mit dem Hashtag #aufschrei verwendet. #scham entstand im Kontext von #aufschrei und enthält Tweets, die Schamgefühle angesichts der Fülle sexistischer Übergriffe ausdrücken. Unter dem Hashtag #schauhin wurden Tweets veröffentli- cht, die sich gegen – vorwiegend rassistische – Diskriminierungsformen richteten; ein Twitter-Protest, der auf der Konferenz „Rassismus und Sexismus abbloggen“ der Friedrich-Ebert-Stiftung nach dem Vorbild von #aufschrei initiiert wurde (vgl. schauhin o.J.). Twitter stellt somit einen eigenständigen Diskursraum dar, der Kennzeichen einer einfachen Öffentlichkeitsebene aufweist. Die meisten Akteur_innen debattierten auf #aufschrei ein in der hegemonialen Öffentlichkeit marginalisiertes Thema, dadurch werden partiell kritische Positionen zu gesellschaftlichen Ungleichheiten entwi- ckelt und Kritik formuliert. Teile dieser feministischen Protestartikulationen wurden in der komplexen Ebene von Öffentlichkeit wie den traditionellen Massenmedien wahrgenommen. In feministischen Blogs, wie z.B. „Mädchenmannschaft“ (http:// maedchenmannschaft.net) oder „kleinerdrei“ (www.kleinerdrei.org), finden sich ne- ben Bezügen zu #aufschrei zahlreiche vertiefende Beiträge, die sich auch mit der Berichterstattung in den traditionellen Massenmedien kritisch auseinandersetzen. Damit übernehmen feministische Blogs eine vermittelnde Funktion, insofern sie Themen und Positionen, die auf der einfachen Ebene von Öffentlichkeit diskutiert werden, bündeln und verallgemeinern. Feministische Blogs beziehen Stellung und sind auf Mobilisierung ausgerichtet, sie können nach Frasers (2001) Lesart als subal- terne Gegenöffentlichkeiten gelten. Sie sind untereinander verbunden und verfügen über eine gewisse Organisationsstruktur – so weisen feministische Blogs durch ihre Vernetzung und zahlreichen Verlinkungen Elemente der mittleren Öffentlichkeitse- bene auf. Die Entwicklung von #aufschrei zeigt, dass es für eine Mobilisierung notwendig ist, verschiedene Ebenen von Öffentlichkeit zu erreichen. Diese Ebenen umfas- sen zunächst innerhalb einer Protestbewegung die „Bewegungskultur“, also die Netzwerke, Räume und persönlichen Beziehungen der Akteur_innen, als auch die ,,Bewegungsöffentlichkeit“, die sich als Gegenöffentlichkeit mit autonomen Kom- munikationsstrukturen, Mobilisierungsressourcen, Organisations- und Versamm- FP_02_14_009_096.indd 64FP_02_14_009_096.indd 64 14.10.2014 19:56:0214.10.2014 19:56:02 http://www.werbrauchtfeminismus.de http://www.werbrauchtfeminismus.de http://maedchenmannschaft.net http://maedchenmannschaft.net http://www.kleinerdrei.org DIGITALISIERUNG ZWISCHEN UTOPIE UND KONTROLLE FEMINA POLITICA 2 | 2014 65 lungsöffentlichkeiten sowie bewegungseigenen Medien konstituiert – mit dem Ziel die hegemoniale Öffentlichkeit zu erreichen (vgl. Wischermann 2003). #aufschrei bildet eine Plattform des Erfahrungsaustauschs auf einer einfachen Öffentlichkeits- ebene, die jedoch gleichzeitig mit einer „Bewegungsöffentlichkeit“ verbunden ist, die sich über weitere Hashtags, feministische Blogs und feministische Printmedien formiert. Durch den Erfahrungsaustausch auf der einfachen Öffentlichkeitsebene und der Bündelung von Themen und Positionen findet eine Mobilisierung statt, die verschiedene Öffentlichkeitsebenen erreichen kann. So wird #aufschrei auch in der hegemonialen Öffentlichkeit, vor allem in den traditionellen Massenmedien wahrge- nommen. Doch ist diese Sichtbarkeit ambivalent: In der massenmedialen Berichter- stattung zeigen sich Verkürzungen und Vereinnahmungen. Durch eine Fokussierung auf wenige – als zentral erachtete – Personen wird die große Zahl der beteiligten Akteur_innen verdeckt. Damit stellt sich in der massenmedialen Berichterstattung insbesondere die Frage: „Wer spricht und über wen?“. Darüber hinaus geht die me- diale Thematisierung mit einer Stereotypisierung einher, die verhindert, dass aus den gesammelten persönlichen Erfahrungen gesellschaftliche Strukturen und Mu- ster erkennbar werden – ähnlich hat dies Flicker (2008) für die Thematisierung der Frauenbewegung in den Medien herausgearbeitet. Diese (De-)Thematisierung stützt normalisierte Deutungsmuster und entledigt sich damit kritischer Momente. Sicht- barkeit bedeutet also nicht gleich Anerkennung, sondern kann auch eine Einbindung in normative Identitätsvorgaben und eine Disziplinierung im Sinne einer hegemoni- alen Kanalisierung der Debatte nach sich ziehen (vgl. Schaffer 2008). Die Kritik an patriarchalen Strukturen und heteronormativen Mustern, die durch #aufschrei eine größere Öffentlichkeit erreichte, blieb nicht ohne Widerspruch. Ex- plizit zeigt sich dies in den antifeministischen und sexistischen Tweets auf #auf- schrei. Diese sind eingebunden in ein Netzwerk sich zunehmend artikulierender antifeministischer und maskulinistischer Öffentlichkeiten, wie wir in den folgenden Ausführungen zeigen. Antifeminismus online – maskulinistische Gegenöffentlichkeiten Antifeministische und maskulinistische Positionen sind kein neues Phänomen (vgl. Planert 1998); sie haben durch das Internet jedoch neue Agitations-, Verbreitungs- und Vernetzungsformen gefunden. Rolf Pohl (2011, 111) sieht die sich oft aggressiv zu Wort meldenden maskulinistischen Positionen als eine Antwort auf die Krise der Männlichkeit: „Ein Amalgam aus Antikommunismus, Antisozialismus, Antifeminis- mus und 68er-Bashing scheint zusammen mit einer konservativen Familienideolo- gie zum Gründungsfundament der propagierten Befreiungsbewegung für Männer zu gehören“. Die Organisationen der so genannten Männer- und Väterrechtsbewegung sind meist klein, dafür aber sehr gut vernetzt (vgl. Klaus 2008). Weil sie eine Reihe prominenter Fürsprecher_innen haben, ist es der Männer- und Väterrechtsbewegung auch gelungen, sich in den bürgerlichen Nachrichtenmedien und Qualitätszeitungen FP_02_14_009_096.indd 65FP_02_14_009_096.indd 65 14.10.2014 19:56:0214.10.2014 19:56:02 DIGITALISIERUNG ZWISCHEN UTOPIE UND KONTROLLE 66 FEMINA POLITICA 2 | 2014 Gehör zu verschaffen (vgl. Gesterkamp 2010; Hammer 2000). Hauptsächlich aber agieren die Maskulinist_innen über das Internet. Auch in der #aufschrei-Debatte und als Reaktion darauf formierten sich entsprechende Positionen, wie wir hier beispiel- haft darlegen. Auf der einfachen Ebene von Öffentlichkeit haben wir Twitter, Kommentare zu Me- dienberichten und Blogs, die aufgrund von Verlinkungen und Vernetzung teilweise auch Kennzeichen mittlerer Öffentlichkeiten aufweisen, positioniert. In jeder dieser Anwendungen finden sich vehemente Meinungsäußerungen gegen die feministische Protestbewegung. Auf Twitter wurden mit #gegenschrei und #tittenbonus nicht nur sexistische Hashtags als direkte Reaktion ins Leben gerufen, insbesondere finden sich zahlreiche antifeministische, sexistische Tweets auf #aufschrei selbst. Mit aller Vorsicht sei hier auf eine nicht repräsentative Analyse im maskulinistischen Blog „Maninthemiddle“ verwiesen, die knapp 17% antifeministischer Tweets ausweist (o.A.: o.J.). Dieser Artikel wird im Blog „genderama“ von Arne Hoffmann (2013) unter dem Titel „Analyse: Die Wahrheit über die #Aufschreikampagne – und wie die Medien sie verzerrten“ in Gänze abgedruckt und ist auch auf WikiMANNia ver- linkt. In „genderama“ finden sich 19 Blogeinträge zu #aufschrei, nur ein Teil da- von stammt allerdings von Hoffmann selbst, der insgesamt drei Blogs unterhält und Vorstandmitglied der antifeministischen Organisation agens e.V. ist. So veröffentli- chte Hoffmann auch Auszüge eines Beitrags aus dem Sexismus-Schwerpunktheft der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ)“ von Ralf Bönt (2014), der durch sein Buch „Das entehrte Geschlecht“ (2012) zu einem der Vorreiter für die maskulinistische Bewegung wurde (vgl. Hoffmann 2014). Insbesondere die Verlin- kungs- und Vernetzungsstrukturen sowie die Verweise auf Bücher, Zeitschriften und die traditionellen Massenmedien zeigen, dass die maskulinistische Bewegung im In- ternet nicht nur Kennzeichen einer einfachen Öffentlichkeit aufweist, sondern durch ihren Organisationsgrad auch die mittlere Öffentlichkeitsebene erreicht. Zwei Webseiten sind für die maskulinistische Bewegung dabei besonders wichtig: WikiMANNia und „Wieviel ‚Gleichberechtigung‘ verträgt das Land? (wgvdl)“. Die Betreiber_innen und zumeist auch die Autor_innen beider Webseiten bleiben ano- nym und haben Hosts im Ausland. WikiMANNia wurde 2009 ins Leben gerufen, weist mittlerweile knapp 2.000 Einträge auf und wird auf Deutsch, Englisch, Spa- nisch und Italienisch angeboten. Seit April 2014 besteht ein Austausch zwischen WikiMANNia und der amerikanischen Plattform „A Voice for Men“ (WikiMANNia 2014). Das Online-Netzwerk versteht sich als „Antithese zur feministischen Opfer- und Hassideologie“. Der Eintrag „Aufschrei“ erklärt den #aufschrei-Protest als „eine Art ‚Shitstorm‘ (…). Um Frauen als Opfer zu inszenieren, nutzten Feministinnen diesmal ‚Twitter‘ als Aktionsplattform“ (WikiMANNia o.J.). Inhaltlich besteht der Artikel vor allem aus Verweisen auf maskulinistische Blogs. Daneben werden aber auch „Spiegel Online“ und das Handelsblatt zitiert. Dabei handelt es sich nicht um Auszüge aus den dort veröffentlichten Artikeln über die Grimme-Preis-Verleihung FP_02_14_009_096.indd 66FP_02_14_009_096.indd 66 14.10.2014 19:56:0214.10.2014 19:56:02 DIGITALISIERUNG ZWISCHEN UTOPIE UND KONTROLLE FEMINA POLITICA 2 | 2014 67 an #aufschrei, sondern um einzelne Kommentare von Leser_innen zu diesen Arti- keln. Möglicherweise deutet das auf eine wichtige Funktion solcher Beiträge in den Onlineforen etablierter Medien hin: Einzelmeinungen, gerade auch sexistischer oder rassistischer Provenienz, könnten durch Verweise auf Massenmedien und komplexe Öffentlichkeiten als relevante gesellschaftliche Positionen erscheinen. Auf „Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land? (wgvdl)“ ist WikiMANNia, die „Wissens-Datenbank über Benachteiligungen von Jungen und Männern“ (wgvdl o.J.) gleich mehrfach verlinkt. Wgdl, die „bestbesuchte Seite“ der antifeministischen Männerbewegung, bewertet Rosenbrock (2012, 12) wie folgt: „wgvdl.com bildet eine extreme Gruppierung im Kernbereich der antifeministischen Männerrechts- bewegung. Es gibt jedoch noch wesentlich extremere und militantere Webseiten, die aber nicht ganz so gut vernetzt sind. wgvdl.com dient der Kanonisierung der antifeministischen Argumentationen und der emotionalen Selbstbestätigung und Vergemeinschaftung.“ Zu ähnlichen Ergebnissen kommt Laura Gruber (2012) in ihrer empirischen Analyse der auf wgdl.com veröffentlichten Positionen. Auch auf wgvdl.com findet sich ein Beitrag zu #aufschrei. Der Artikel von Lassahn (2013) ist ein Nachdruck aus dem Blog „Die Achse des Guten“, der als Autoren u.a. Henryk M. Broder, Hans-Olaf Henkel und Matthias Matussek listet. Unter der Überschrift „Vergewaltigungen, Witze, Wanderwege, Juden, Attacken, Ölweiber, Strickmuster – und die Gitarre von James Bond” schreibt Lassahn u.a.: „Die Sexismus-Debatte wird angezettelt von Leuten, die selber Sexisten sind, bei denen die geschlechtliche Zuge- hörigkeit im Mittelpunkt ihrer Selbst- und Fremdbilder steht und die ihr Geschlecht für das bessere halten. (…) Der Artikel von Frau Himmelreich ist selber ein einziger sexistischer Witz, über den man nicht lachen kann. Damit wird ein Mann – ein ‚Herr‘ – pauschal mit der Wucht, wie wir sie von rassistischen und von sexistischen Witzen kennen, verdammt, ohne dass es dafür eine Berechtigung gibt. Es ist reine Hetze.“ Das Zitat zeigt exemplarisch die Inszenierung der maskulinistischen Bewegung als Opfer und die Aneignung, Umdeutung und Pervertierung von Begriffen wie Sexis- mus und Rassismus. Was zeichnet diese maskulinistischen Öffentlichkeiten im Internet aus? Inwiefern sind sie neu? Obwohl die maskulinistischen Gruppen oft sehr klein sind, findet eine intensive Netzwerkbildung im Internet mittels der Verlinkungsmöglichkeiten statt. Dabei werden alle Ebenen von Öffentlichkeit genutzt – von den Foreneinträgen über die Internetseiten und Vereinsgründungen bis hin zu Auftritten in den Mas- senmedien. In der Anonymität des Internets können Positionen verbreitet werden, die anderswo nicht (mehr) als akzeptabel gelten, teilweise auch einen kriminellen Straftatbestand erfüllen – etwa wenn sie rechtsradikales Mannestum verherrlichen oder zu Gewalttaten aufrufen. Auf den maskulinistischen Internetseiten müssen die vielfältigen Behauptungen männlicher Diskriminierung, weiblicher Bevorzugung und feministischer Übermacht nicht belegt werden. Zwar findet man solche Behaup- tungen auch im Journalismus und in den traditionellen Massenmedien, wie etwa der mediale Hype um Eva Hermans Buch „Das Eva-Prinzip. Für eine neue Weib- FP_02_14_009_096.indd 67FP_02_14_009_096.indd 67 14.10.2014 19:56:0314.10.2014 19:56:03 DIGITALISIERUNG ZWISCHEN UTOPIE UND KONTROLLE 68 FEMINA POLITICA 2 | 2014 lichkeit“ (2006) exemplarisch gezeigt hat, auf den maskulinistischen Seiten werden solche Positionen aber wesentlich homogener und im Ton aggressiver formuliert und bleiben unwidersprochen. Die bessere Durchlässigkeit zwischen den verschie- denen Öffentlichkeitsebenen wird, vor allem durch die zahlreichen Verlinkungen, geschickt genutzt, um aggressiv antifeministischen Positionen mehr Gewicht zu verleihen. Durch maskulinistische Äußerungen in den Online-Foren großer Print- medien kann nicht nur die Sichtbarkeit und Reichweite von Minoritätenpositionen vergrößert werden, durch ihre intensive Vernetzung mit Blogs und Seiten von mas- kulinistischen Initiativen, hinter denen häufig dieselben Personen stehen, können deren Verfasser_innen zusätzlich als Sprachrohr einer vermeintlich starken sozialen Bewegung erscheinen. Ohne Zweifel hat dies Spuren im öffentlichen Selbstverstän- digungsprozess hinterlassen und Rückwirkungen auf die klassischen Medien und den Journalismus, wo eine De-Thematisierung des Feminismus ebenso beobachtet werden kann wie eine neue Fokussierung auf die vermeintliche Benachteiligung von Jungen und Männern. Resümee Die Beispiele demonstrieren, dass antisexistische und feministische Inhalte im öffent- lichen Selbstve rständigungsprozess umkämpft sind. Dabei fallen Deutungen gerade auf der einfachen Öffentlichkeitsebene besonders vielstimmig und widersprüchlich aus und verlaufen entlang der gesellschaftlichen Konfliktlinien zwischen hegemo- nialen und gegenhegemonialen Positionen sowie zwischen emanzipatorischen Ent- würfen und reaktionären Positionierungen. Twitter eröffnet damit einerseits Räume, die eine kritische Auseinandersetzung mit Sexismus und damit eine Intervention in die hegemoniale Öffentlichkeit ermöglichen. In den einfachen Internetöffentlich- keiten zeigen sich jedoch auch die Pole der gesellschaftlichen Konfliktlinien: Auf der einen Seite werden feministische Protestartikulationen sichtbar, auf der anderen Seite stehen diesen direkt antifeministische und sexistische Inhalte antagonistisch gegenüber. Denn im Internet formieren sich auch Öffentlichkeiten, die sich durch rassistische und sexistische Kommentare in den Foren, durch eine zunehmende Zahl von rechtsradikalen Webseiten und eine intensive Vernetzung untereinander auszeichnen. Darin zeigen sich neben Ambivalenzen vor allem die Gefahren gesell- schaftlicher Selbstverständigungsprozesse, denn der von Mouffe (2007, 158) postu- lierte „konfliktuale Konsens“, d.h. ein Konsens über ethisch-politische Werte der Freiheit und Gleichheit aller, ein Dissens aber über die Interpretation dieser Werte, wird zunehmend in Frage gestellt. Die Konflikthaftigkeit gesellschaftlicher Selbst- verständigungsprozesse auf den verschiedenen Öffentlichkeitsebenen hinsichtlich der Debatte um Sexismus und Geschlechterkonstruktionen kann dazu führen, dass der von Mouffe beschriebene demokratische Prozess als Umwandlung von antago- nistischen in agonistische Positionen nachgerade umgekehrt wird. FP_02_14_009_096.indd 68FP_02_14_009_096.indd 68 14.10.2014 19:56:0314.10.2014 19:56:03 DIGITALISIERUNG ZWISCHEN UTOPIE UND KONTROLLE FEMINA POLITICA 2 | 2014 69 Literatur Bönt, Ralf, 2012: Das entehrte Geschlecht. Ein notwendiges Manifest für den Mann. München. Bönt, Ralf, 2014: Tausendschön im Neopatriarchat. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. 64 (8),12- 16. Internet: http://www.bpb.de/apuz/178666/tausendschoen-im-neopatriarchat (14.4.2014). DerStandard.at, 24.6.2013: #aufschrei gewinnt Grimme Online Award. Internet: http://derstan- dard.at/1371170418289/aufschrei-gewinnt-Grimme-Online-Award (14.4.2014). Drüeke, Ricarda, 2013: Politische Kommunikationsräume im Internet. Zum Verhältnis von Raum und Öffentlichkeit. Bielefeld. Drüeke, Ricarda/Winker, Gabriele, 2005: Neue Öffentlichkeiten durch frauenpolitische Inter- netauftritte. In: Schachtner, Christina/Winker, Gabriele (Hg.): Virtuelle Räume – neue Öffentlich- keiten. Frauennetze im Internet. Frankfurt/M., New York, 31-49. 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Sicherheitsdiskurse definieren, wer oder was als Gefahr wahrgenom- men wird und ermöglichen die nahezu unbegrenzte Ausweitung von »Kontroll- und Überwachungs-, Regulierungs- und Normalisierungstechniken« auf immer weitere Lebensbereiche (Krasmann 2013). Sicherheitsforscher_innen betonen, dass Pro- zesse der Securitization, der Versicherheitlichung, bereits in den späten achtziger Jahren virulent geworden sind und Sicherheit heute im Rahmen einer Techno-Secu- rity-Kultur zunehmend als High-Tech-Sicherheit verstanden wird, die mit Hilfe von Überwachungstechnologien durchgesetzt werden müsse (Haggerty/Ericson 2006; Kämpf/Weber 2014). Neben Terrorismus wird vor allem Datensicherheit und Si- cherheit vor Überwachung im Netz aktuell breit diskutiert. Wie eingangs angedeutet, fokussieren auch netzfeministische2 Debatten verstärkt auf Sicherheit, allerdings mit etwas anderer Ausrichtung. In feministischen Blogs oder auf Konferenzen war weniger der Schutz vor Terrorismus oder Überwachung, als vielmehr die Schaffung sogenannter Safe(r) Spaces dominierendes Thema. Lei- tende Motive dieser Diskussionen sind der Schutz vor Hasskommentaren, Gewal- tandrohungen, Trolling oder emotional belastendem Material. In vielen Beiträgen wurden u.a. technologische Lösungsansätze wie automatisierte Triggerwarnungen, Nicht-Freischalten von Kommentaren oder auch das präventive Blocken poten- tieller Hasskommentator_innen vorgeschlagen. Parallel dazu wurden Selbster- mächtigung (Empowerment) und Selbstfürsorge (Self-Care) als für feministische FP_02_14_009_096.indd 71FP_02_14_009_096.indd 71 14.10.2014 19:56:0314.10.2014 19:56:03